Schlossbesitz – Lust oder Last? Das HOHENLOHER TAGBLATT geht der Frage nach und hat Schlossherren besucht. Heute: Schloss Erkenbrechtshausen

 

Der Weg ist hier das Ziel

 

Der Weg ist das Ziel. Diese Erkenntnis des chinesischen Philosophen Konfuzius hat für Steffen Knödler eine neue Dimension erhalten. Seit der Unternehmer aus Gündelhardt das Erkenbrechtshausener Schloss umbaut und saniert, hat er sich an eine neue Zeitrechnung gewöhnt. Sein bisheriges Leben hatte eine gewisse Eile, um nicht zu sagen Hektik bestimmt. Jetzt läuft´s eher scheibchenweise. „Ich habe den Zeitbedarf unterschätzt, habe gedacht, da bin ich in anderthalb Jahren mit durch“, bekennt Knödler. „Jetzt werden es wohl eher drei“.

Konzertsaal Wasserschloss

Um die 80 Räume sind zu richten, eine Herkulesaufgabe für einen Privatmann. „Jedes Zimmer hat so viele Eigenheiten“, beschreibt der Hausherr die Problematik, „da sind Entscheidungen ohne Ende zu treffen.“ Ein Beispiel: Erst wenn der Boden abgeschliffen ist, stellt sich heraus, dass das Holz heller ist als erwartet. Der Farbplan passt nicht mehr, muss neu abgestimmt werden. Wände, Fenster, Türschlösser: Alles soll schließlich stimmen. Und muss mit dem Denkmalschutz abgesprochen werden. „Heute weiß ich erst wie viele Ämter und Behörden es gibt“, scherzt Steffen Knödler, der Schloss Erkenbrechtshausen vor etwa zwei Jahren ersteigert hat. Der Auktionspreis war akzeptabel, die Kosten für alle Baumaßnahmen schießen dafür in die Höhe. Wenn alle Bauabschnitte erledigt sind, dürften drei Millionen Euro ins Wasserschloss geflossen sein.

 

Doch der Weg als Ziel ist steinig. Vor allem die Frage, wie der Brandschutz mit dem Denkmalschutz unter einen Hut zu bringen ist und dann auch noch zum hochmodernen Energiekonzept passt, beschäftigt die Planer. Da ändern sich dann auch schnell mal die Nutzungsmöglichkeiten. Steffen Knödler: „Wenn etwa eine Kamin-Lounge geplant war, fragt man sich plötzlich, ob das überhaupt stimmig ist. Als nächstes steht die Form des Kamins auf dem Prüffeld: offen, geschlossen, mitten im Raum, an einer Wand.“

 

Bewegt hat den Unternehmer, der in diesem Jahr noch 40 Jahre alt wird, in erster Linie die Herausforderung, die die Aufgabe mit sich brachte. „Sicher ist es einfacher, eine tolle Villa in die Landschaft zu stellen, aber solch ein Schloss stellt ja einen Wert an sich dar, der auch erhalten bleibt. Mir ging es darum eine Vision Wirklichkeit werden zu lassen“, gesteht der Schlossherr. Schlossherr? Mit dieser Bezeichnung tut sich Steffen Knödler schwer – noch. „Die öffentliche Wahrnehmung mag eine andere sein, mir bietet sich eine neue Steffen KnödlerFacette zu leben.“ Klar, schließlich wollen Steffen Knödler und seine Frau Gaby Skischally die Immobilie auch als Wohnort nutzen. Die Tier-Physiotherapeutin wird sich hier ihre Praxis ebenso einrichten wir ihr Mann seine Arbeitsräume für diverse Unternehmen. Dazu gesellen sich Veranstaltungs- und Seminarräume. Ein halber Flügel dient jungen Start-Up Unternehmen als Basis, dazu kommt ein großer Saal mit Galerie. Tagungen, Incentives, Seminare, Firmenjubiläen, private Nutzung: Alles ist denkbar. Eine dynamische Denk- und Zukunftsfabrik in alten Mauern“ schwebt dem rührigen Geschäftsmann vor. Dazu gehören etwa Ideen wie die, eine Schwäche zur Stärke zu machen – nämlich die fehlende Hotellerie in der Umgebung zum Event aufzustilisieren. Das funktioniert mit einem exklusiven Shuttle-Dienst, der die Gäste mit maßgeschneidertem Programm vom Flugplatz oder Bahnhof zum zuvor gebuchten Hotel bringt. Wenn Steffen Knödler bekennt, „so wird die Fahrt zum Programm“, verdeutlicht das nur die Kreativität des früheren Proveo-Bosses.

 

Profitiert hat Knödler bei der Sanierung von der Arbeit des Vorbesitzers, Professor Ganslandt. Der hat in rund zehn Jahren das Dach grundlegend renoviert – mithin die wichtigste Aufgabe bei der Sanierung alter Bausubstanz. Das jetzige Energiekonzept, das nicht nur auf Niedrig-, sondern auf Null-Energie-Einsatz setzt, hat das Team um Steffen Knödler ebenso mit Leben erfüllt wie die Bestückung des Hauses mit LED-Beleuchtung. Dazu wurde, ganz Knödler-like, kurzerhand eine eigene Firma gegründet.

 

Inzwischen hat der Betrieb auf Schloss Erkenbrechtshausen begonnen. Die ersten Veranstaltungen sind erfolgreich gelaufen, das Programm wächst ständig. Und das Haus wächst mit. Wahrscheinlich dürfte es noch ein wenig länger dauern als die inzwischen veranschlagten drei Jahre, aber – wie gesagt – der Weg ist hier das Ziel.

 

Quelle: Hohenloher Tagblatt, 30.08.2011

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